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Die
Taube des Jan Steen Heute
der moderne Altholländische Kapuziner Die Taube des Jan Steen – heute der
moderne Altholländische Kapuziner Eine Strukturtaube im Wandel der Zeit von
der Kragentaube zu einem modernen Rassevertreter Der Ursprung unserer Altholländischen
Kapuziner liegt zweifelsfrei im asiatischen Raum. Diese "Taube des Jan
Steen", wie sie im Mutterland liebevoll genannt wird, findet bereits um
1500 Erwähnung, nach unserer Musterbeschreibung wird sie nachweislich ab 1661
gezüchtet. Mit einer Einschränkung müssen wir
allerdings leben: Der "Altholländische Kapuziner" ist neueren
Ursprungs, aber die Ahnenreihe unserer Kapuziner geht bis in diese Zeit um
1500 zurück. Berühmte niederl. Maler haben diese Taube
bereits auf ihren Bildern dokumentiert, so Jan Steen (1626-1679) und Melchior
d'Hondecoeter (1636-1695). Auch viele unbekannte Maler dieser Zeit hatten
Kapuziner auf ihren Bildern Ob die Bilder authentisch sind, ist nicht mehr
nachvollziehbar. In der neueren Zeit weist Prütz im Jahre 1876 in seinem
"Mustertaubenbuch" auf unsere Rasse hin: "Diese Taube, die von
Baldamus u. a. als der Stammvater der Perückentauben angesehen wird, ist ein
edler Tümmler in des Wortes vollster Bedeutung." Die Namensgebung
Kapuziner geht auf den Kapuziner-Mönch mit seiner braunen Kutte zurück. In
der Musterbeschreibung wird von der "alten Mönchzeichnung"
gesprochen. In einer fundierten Abhandlung von
Zuchtfreund Ulrich Reber, Mosbach. im Jahre 1887 spricht dieser von einer
ungemein schwierigen Aufgabe, den geschichtlichen Verlauf der Rasse
nachzuweisen. Denn, wie er ausführt, werden in älteren Werken oft keine oder
nur selten Unterschiede gemacht zwischen Kapuzinern und Kapuzentauben,
Perückentauben. Jakobinern. Zopf- oder Schleiertauben. Reber beginnt seine
Nachforschungen in alten Werken bei Moore. Dieser beschreibt 1735 drei
verschiedene Schläge. Lewis Wright stellt nur lakonisch fest, sie stammten
aus Kleinasien. C. G. Friderich, der süddeutsche Fachschriftsteller,
beschrieb die Kapuzinertaube als "einen echten Tümmlerkopf mit
Perlaugen, aber einer dicht aufliegenden Haube" als Eigenart. Und
weiter: "Diese Haube ist dicht geschlossen wie bei den Perücken. hat
aber keine Kelle." Er nennt die Taube daher auch "Kapuziner-
Tümmler". Auch Schütte verwies zuverlässig darauf. Unterschiedliche Wertungen Dr. A. Lavalle beschreibt 1905 den
Kapuziner als "eine seltene ausländische Rasse" aus Kleinasien,
etwa um 1850 durch Caridia nach England gebracht. Im Taubenbuch von Zurth
spricht dieser von Beduinen, die Kapuziner mitgebracht hätten und diese
"Shah Nila Isbazih" nannten, königliche Nilflieger. Dürigen sah in der ersten Ausgabe seiner
"Geflügelzucht" die Kapuzinertaube gewissermaßen als den Übergang
von den kurzschnäbligen, hochstirnigen Tümmlern zu den eigentlichen
perückentauben an und bezeichnete sie als "feine, kurzschnäblige Tauben".
In der zweiten Ausgabe seines Werkes steht dann der auffällige Satz:
"Man muss es bedauern. dass diese reizende, muntere, gut und ausdauernd
fliegende Taube bei uns nur ganz vereinzelt gehalten wird " Zweifellos kannte Dürigen sie selbst oder
hatte zumindest zuverlässige Kunde von solchen Kapuzinern. denn was er nun
beschreibt, passt sehr gut zu den echten asiatischen Kapuziner-Tümmlern! Eine
Abbildung in seiner dritten Werksausgabe zeigt zweifellos eine Taube als
Kapuziner, die viel von einem guten Tümmler an sich hat. Eine weitere Wertung
unserer Ahnen möchte ich durch Marten belegen. Marten berichtet, dass er
bislang nur schwane Tiere sah. und weiter führte er aus: ..." und
erscheint es zweifelhaft, ob es, wie vielfach behauptet wird, noch
andersfarbige gibt." Marten verweist auf den hohen Sattheitsgrad der
Farbe und den feinen Grünglanz. Das Auge war nach seiner Beschreibung weiß
mit großer, schwarzer Pupille. Der Schnabel seiner Deutung nach so lang wie
der eines "sehr langschnäbligen Mövchens." Geschmückt mit vielen bedeutsamen Namen
wie Märchenfeen, Globetrotter, Taube des Jan Steen ist der Ursprung wohl die
Kragentaube, die auch der Stammvater der Perückentaube ist. In neuerer Zeit
wurde unsere Rasse wieder entdeckt durch Henk Moezelaar (1900-1987), dem das Verdienst
zukommt, durch Resttiere auf Bauernhöfen in West-Brabant den neuen Typ
geschaffen zu haben. Hier war unsere Rasse damals zu Hause, also eine
unkomplizierte, einfache Taube. Auch durch Kreuzungen mit Perückentauben
wurde ein moderner Taubentyp geschaffen. Ursprünglich hatte die
Kapuzinertaube dunkle Augen, auch in Deutschland Aber der moderne Typ von
Henk Moezelaar hatte das unreine Perlauge. In unseren Anfängen in Deutschland
wurden die Kapuziner noch ein wenig belächelt und ihnen der nicht sehr angenehme
Name "kaputte Perückentaube" angedichtet Aber in der heutigen Zeit
verbindet uns mit den Perückentauben außer einer großen Schar angenehmer
Züchterfreundschaften nur das im Standard unter Augenfarbe geforderte
"unreine Perlauge". Ansonsten sind durch züchterischen Fleiß zwei
absolut unterschiedliche Rassen entstanden. Neuere Geschichte Der holländische Sonderverein gründete
sich am 10. Januar 1959 und vereinigte die Züchter im ,,0ud-Hollandse
Kapucijnen-Club" unter dem Motto: "De duifvoor jederen" - die
Taube für jedermann. Sie sollte eine Strukturtaube mit
Tümmlerblut sein -lebhaft, vital und pflegeleicht Diese Attribute sind noch
heute unser Grundsatz und haben den Beliebtheitsgrad unserer Rasse erhalten.
Unser Club hat seit Gründung am 1. Januar 1966 eine kontinuierliche
Steigerung seiner Mitgliederzahlen erfahren, z. Z. sind ca. 135 Mitglieder
aus der Schweiz, Frankreich, den USA und Deutschland in unserem Club. Eine
relativ hohe Züchterschar außerhalb unseres Clubs wird wohl nie dem Sonderverein
zugeführt werden können, das sind die "Liebhaber". Meist mit großen
Beständen, die aber nicht immer dem hohen Standard unseres SV genügen.
Bereits im zeitigen Frühjahr treffen sich Zuchtfreunde, um die Zuchtpaare
optimal zusammenzustellen. Denn vier Augen sehen mehr als zwei - so sagt man.
Die offiziellen Aktivitäten des Clubs
erstrecken sich über das gesamte Jahr. Nicht nur die Jahreshauptversammlung,
die immer an einem anderen Ort in unserem Lande stattfindet (meist im Mai),
ist eine interessante Wochenend-Veranstaltung. Mit Züchtergesprächen und
Jungtierbesprechung wird bereits im Frühjahr die neue Tauben-Generation
besprochen. Des weiteren treffen sich holländische und deutsche Zuchtfreunde
an unterschiedlichen Orten in Deutschland oder den Niederlanden, um den so
genannten "Hokbezoek" (Stallbesuch) zu veranstalten. Es werden an
einem Samstag im Frühjahr/Frühsommer die Stallanlagen von 2 oder 3
Zuchtfreunden besucht, um die ersten Produkte des neuen Zuchtjahres in
Augenschein zu nehmen. Bei dieser Gelegenheit kommt die Gemütlichkeit nicht
zu kurz. Nach der Mauser beginnen dann die
offiziellen Jungtierbesprechungen im Bereich West, Ost und Süd Die
Entfernungen sind so reichlich, dass auch diese Entfernungen für manchen
Züchter noch reichlich anstrengend sind. Unter fachlicher Leitung von
Sonderrichtern werden die besten Tiere ermittelt; aber Vorsicht: nicht immer
bringen diese Tiere auf den Ausstellungen den besten Erfolg. Es ist nur die
momentane Vorstellung im September, die bewertet werden kann. Es kommen auch
noch andere Vertreter! Auf den herbstlichen Ausstellungen und Großschauen
sind wir immer reichlich vertreten, denn unsere Taube ist mit recht geringem
Aufwand in die Käfige zu bringen. Neben der normalen Federpflege und einem
einmaligen Kappen-Putzen sind wir bereits fertig. Auch überstehen sie die
Tage im Käfig ohne größeren Stress, man sollte im laufenden Jahr aber nicht
zu oft ausstellen - aber das gilt ja für jede Rasse. Bewertung Nun kommen wir zur unvermeidlichen Tatsache
der Bewertung. Die Sonderrichter haben es nicht immer leicht, auch genau den
Geschmack des Ausstellers zu treffen. Hier treffen manchmal doch so einige
Vorstellungen aufeinander. Genau da treffen sich subjektive und objektive
Anschauungen. Nicht immer, aber doch einige Male. Wir wollen dem Sonderrichter auch mal
einen Fehler verzeihen, es sei denn, er macht diesen vorsätzlich. Der
Preisrichter wird immer sein Bestes geben, er dient genau wie der Aussteller
dem Sonderverein. Um ein wenig auf die Problematik der Bewertung einzugehen,
möchte ich mich auf meinen Bericht über die korrekte Bewertung beziehen, der
in der Geflügelzeitung 22/2000 abgedruckt wurde. Das Vorwort hierzu habe ich folgendermaßen
verfasst: Der Altholländische Kapuziner steht, was Qualität und Quantität
betrifft, im Ausstellungswesen in der vorderen Reihe. Früher geisterte das
böse Wort "...kaputte Perücke" durch die Lande. Mit den
Perückentauben verbindet uns neben vielen Züchterfreundschaften eigentlich
nur noch die Augenfarbe nach dem Standard: das unreine Perlauge. Wohl liegt
der Ursprung beider Rassen auf einer Ebene, aber durch Züchterfleiß und die
Vorgabe des Standards sind zwei absolut eigenständige Rassen entstanden, die
jeweils für sich einen großen Freundeskreis haben. Unsere beliebte Rasse ist entweder erstens
ein Tümmler mit Strukturmerkmalen oder zweitens eine Strukturtaube mit
lebhaftem Wesen. Das geht allerdings nicht so weit, dass Unruhe im Schlag
herrscht Der Besatz sollte nicht zu eng sein, dadurch schädigt sich der
Züchter selbst. Wenn um Platz und Rang gekämpft wird, ist das Nackengefieder
eine beliebte Angriffsfläche, um dem Gegenüber oder Rivalen eins
auszuwischen. Und der unerfahrene Züchter hat ein Motiv für die unfertige
Struktur: ...die (Dauer)-Mauser ist's. Auch die körperliche Entwicklung, da
selten noch im Freiflug, geht einher mit etwas mehr Freiraum. Selektion/Bestandsausdünnung aufgrund
rassespezifischer Merkmale ist leicht -und unbedingt notwendig. Wenn der
Standard vorschreibt: "gut gerundete Brust", muss ich der
körperlichen Entwicklung eine Chance geben. Auch eine angemessene Anzahl von
Sitzbrettchen sollte vorhanden sein. Da wir unter anderem eine
Zeichnungstaube haben, ist hier die Selektion recht einfach. Es gibt
Fehlzeichnungen, die sind irreparabel. Das gleiche gilt bei Augenfehlern: ein
dunkles Auge, seltener beide, ist ein Grund zu selektieren, da
Ausschlussfehler. Ansonsten kann man sagen, der Kapuziner ist vital.
fruchtbar, frohwüchsig und ohne störende Rassemerkmale, die zurzeit leider allzu
oft auf dem Prüfstand stehen. Bitte nicht falsch verstehen: aber wir
sind durch die Gnade der Geburt - sprich Züchtung - auf der richtigen Seite. Nun darf ich überleiten zu meinem vorher
angesprochenen Bericht in der Fachpresse über die korrekte Bewertung. Seit 40
Jahren mit Strukturtauben vertraut (u.a. Pfautauben), züchte ich seit 22
Jahren mit recht gutem Erfolg Altholl. Kapuziner. Das wichtigste ist m. E.,
das ein Züchter, der Erfolg haben will - immer vergleichen muss. Sowohl bei
den Zuchtkollegen als auch bei offiziellen Tierbesprechungen. Und ich muss
den Mut haben, Rassemerkmale durch Rasse- oder Farbkreuzungen zu festigen
oder zu aktivieren. Dazu gehört genetisches Grundwissen und vor allem viel
Geduld. Die Bewertung aus der Sicht des
Sonderrichters Diese Passage soll nicht zu ausführlich
ausfallen, aber die entscheidenden Punkte müssen abgehandelt werden. Beim
Bewerten muss der Typ (Figur mit gut gerundeter Brust) mit der geordneten
Strukturanlage höchste Beachtung finden, dazu die nach dem Standard
geforderte waagerechte Haltung. Hals- und Beinlänge sind Attribute, die bei
guter Figur erst eine optimale Erscheinung bewirken. Halslänge - um die
Struktur zu tragen und zu zeigen -und Benlänge - um den edlen Gesamteindruck
zu präsentieren. Niedriger Stand und kurze Beine wirken plump und zeigen
nicht die entsprechende Relation zur gewünschten Halslänge. Der Standard
verlangt wohlwissend einen "mittelhohen Stand", nicht mehr und
nicht weniger. Wichtigste Grundlage für eine
ordnungsgemäße Struktur ist die Halslänge. Die Kappenfeder sollte den Kopf um
ca. 2 cm überragen, ihn also einbetten. Vom ist der so genannte Halskragen,
der ohne Lücken oder aufzublättern in den Flügelbug einfließt Bei
entsprechender Brust- und Kappenbreite passen zwei Finger zwischen den
Halskragen. Auf der Hinterseite bilden sich die Nackenstrukturfedern, rund
und voll angesetzt Die seitliche Rosette wünschen wir uns kurz oval, mit dem
Hals verlaufend. Die gesamte Struktur sollte harmonisch gerundet und fest
sein, keine straffe Mähne. Der Standard verlangt die Gefiederfarbe
gleichmäßig und satt. Die Feder sollte jedoch nicht haarig werden. Die verschiedenen Farbenschläge mit den
Grundfarben Gelb, Rot, Schwarz., Dun werden am strengsten bewertet, es folgt
der Farbenschlag Weiß (den es eigentlich nicht geben dürfte, hier ist die
Mönchzeichnung nicht erkennbar), Fahle in Rot, Blau und Gelb, Getigerte in
Rot, Gelb, Schwarz, Blaue mit schwarzen Binden. Blaugetigerte sind in
Ansätzen bereits erzüchtet und konnten auch in Holland mal ausgestellt
werden. Gesamterscheinung: vitale Tauben mit
unreinem Perlauge, Strukturmerkmale wie beschrieben, Gesicht/Kopfzeichnung
sauber gezeichnet Die Schwingung ist korrekt, wenn mindestens 7 und höchstens
12 Schwingen weiß sind. 13 weiße Schwingen oder mehr bei Getigerten und
Wechselschwingen (weiße Feder im farbigem Bereich oder farbig im weißen
Bereich) zählen zu den groben Fehlern, mit der Note b als Folge. Die
Daumenfedern am Bug werden farbig erwünscht -aber nicht zwingend verlangt.
Sollte der Bug von vorne gesehen aber weiß erscheinen, ist der Toleranz des
Preisrichters eine Grenze gesetzt. Kurz einige Fehler, die sich immer wieder
einschleichen: unkorrekte Kopfzeichnung, Farbe geht bis zum Auge (einseitig
oder beidseitig), Stoppeln an den Beinen, Hängeflügel, Stulpflügel (d h.
unkorrekte Rückenabdeckung), Augenschirme oder Kopfpartie ohne Stirnwinkel,
das Gesicht wirkt spitz. Durch Abstufung bei der Bewertung werden diese
Fehler bestraft. Schwierigkeiten bei der Bewertung der
Schwingenfarbe gibt es oft durch Allgemeinrichter. Die schwarze Feder ist
durchgefärbt, bei Rot und Gelb haben wir aufgrund unseres
"Brieftauben-Rot" eine hell auslaufende Feder (ähnlich einer
Finkenzeichnung). Das darf nicht geahndet, geschweige bestraft werden. Durch
Farbkreuzungen sind in den Jahren feine Typen herausgezüchtet worden. Bei
einigermaßen Kenntnis der Vererbungslehre kein großes Problem. Die hier
entstandenen Farbvarianten lassen sich nicht immer korrekt zuordnen, sind
aber eine Bereicherung für die Weiterzucht Als Fazit lassen Sie mich folgendes
bemerken: Zuerst das Schöne des Tieres, die Erscheinung, den Charakter sehen
und bewerten, dann erst die Einzelheiten auf der Grundlage des Standards. Richard Kaesler, Menden |